Zurück zum Thema Auto.
Wie ich bereits erwähnte, haben wir am 1. August die ersehnten Nummernschilder für unser Auto bekommen, sie feierlich angeschraubt und sind angefangen, mit unserem Wagen über die Insel zu fahren. Natürlich sind wir auch ohne Schilder gefahren, aber das war schon ein mulmiges Gefühl. Ein paar Mal haben uns die Cops trotzdem angehalten, und wir hatten immer Glück. Nicht ein einziges Ticket (Bußgeld) in einem Monat. Wir haben ihnen immer irgendetwas aufgetischt, und sie haben uns gehen lassen. Mein Bruder hatte einen internationalen ukrainischen Führerschein, ich hatte gar keinen. Wenn uns also die Cops anhielten und mein Bruder am Steuer saß, war alles in Ordnung, aber wenn ich fuhr, reichte ich ihnen entweder meinen ISIC oder den ukrainischen Studentenausweis meines Bruders, auf dem kein einziges Wort auf Englisch stand. Anfangs hat dieser Trick funktioniert. Es blieb nur zu erklären, warum das Auto keine Schilder hatte. Aber wir haben uns immer etwas einfallen lassen. Ich dachte, dass all unsere Probleme mit dem Erhalt der Nummernschilder enden würden. Es gab diesen Mythos, dass Cops in Amerika einen nicht einfach so anhalten können und dass einen niemand belästigt, solange man nichts falsch macht. Darauf hatte ich gehofft, da ich bis zum Erhalt der Schilder schon ein wenig fahren gelernt hatte.
Also, wir hatten die Schilder und begannen ein vollwertiges Leben. Fuhren, wohin wir wollten, nahmen Mädels mit usw.
Zu diesem Zeitpunkt gehörte das Auto bereits meinem Bruder und mir, da die beiden Mädels, die ich zuvor erwähnt hatte und die anfangs mit uns wohnten, von uns abgehauen waren und in ein anderes Haus gezogen waren. Wahrscheinlich, weil wir angefangen hatten, im Haus Knaller zu zünden. :)
Der Mythos, dass die Polizei einen nicht belästigt, wenn man fährt und nichts falsch macht, löste sich also fast sofort in Luft auf. Und die Cops fingen an, uns systematisch anzuhalten. Einfach so. Weil sie Lust dazu hatten. Einmal fuhr ich von meiner Arbeit auf der Kartbahn los, um meinen Bruder vom Restaurant abzuholen. Und ich wurde auf der Straße von sage und schreibe 4 Polizeiautos angehalten. Sie leuchteten mit Taschenlampen ins Auto und fragten, ob ich heute getrunken hätte. Ich sagte: Nein, nicht getrunken. Da ich an dem Tag tatsächlich noch nichts getrunken hatte. Die Cops fingen an, mir etwas von meinen roten Augen zu erzählen und davon, dass ich Marihuana geraucht hätte, worauf ich ihnen antwortete, dass ich 10 Stunden am Tag arbeite und natürlich ein wenig müde bin. Der Cop sagt zu mir: „Erzähl mir nichts“, ich arbeite 14 Stunden und meine Augen sind nicht so rot. Ich dachte mir damals: Oh, was für ein beschissener Job, Donuts essen, Kaffee trinken und Zeitungen lesen. Überhaupt gibt es dort auf der Insel gar keine Kriminalität, und die Outer Banks gelten als der sicherste Ort in den Vereinigten Staaten von Amerika. Also sage ich zu den Cops: Nun, wenn ihr sagt, dass ich getrunken habe, dann lasst mich doch in das Röhrchen pusten. Sie sagten: Okay, puste. Ich habe reingepustet, natürlich hat ihr Röhrchen nichts angezeigt, dann sagten sie: Du hast bestimmt Gras im Auto. Ich sagte: Sucht nur, nur zu. Sie haben das ganze Auto durchsucht, nichts gefunden, mir den Studentenausweis meines Bruders zurückgegeben (ich hatte ihnen gesagt, das sei mein Führerschein) und mich gehen lassen. An dem „Führerschein“ haben sie sich nicht gestört. Das Röhrchen, in das ich gepustet hatte, haben sie mir als Souvenir geschenkt. Es liegt bis heute bei mir zu Hause im Regal zusammen mit dem Armband aus dem Krankenhaus – Souvenirs als Erinnerung an Amerika 2010.
Am nächsten Tag, als mein Bruder und ich von der Arbeit (aus dem Restaurant) nach Hause fuhren, heftete sich wieder ein Auto an unsere Fersen, diesmal ein Sheriff-Wagen. Ich saß am Steuer und aus irgendeinem Grund bekam ich ein wenig Angst und beschloss, langsam zu fahren. Als ich den Parkplatz meiner Kartbahn sah, wo ich arbeitete, beschloss ich, dorthin abzubiegen, um auf Nummer sicher zu gehen. Dem Cop gefiel das anscheinend nicht, er schaltete das Blaulicht ein und hielt uns auf dem Parkplatz an. Er stieg aus dem Auto, begrüßte uns und stellte mir sofort die Frage, warum ich so langsam gefahren sei und ob ich betrunken sei. Ich sagte, dass ich so gefahren bin, weil dort ein SPEED LIMIT-Schild (Geschwindigkeitsbegrenzung) von 45 Meilen pro Stunde stand. Er sagte: Okay, das Schild war zwar 45, aber du bist 25 gefahren, gib mir deinen Führerschein. Ich drückte ihm den Studentenausweis meines Bruders und meinen Ausweis in die Hand. Er ging zu seinem Auto, prüfte dort lange etwas und kam dann mit einem Zettel zu mir zurück. Er bat mich, aus dem Auto auszusteigen, und erklärte mir, dass dies ein Ticket über 200 Dollar für das Fahren ohne Führerschein des Bundesstaates North Carolina sei und dass ich, wenn ich weiterfahren wolle, einen Führerschein machen müsse. Auf dem Ticket war sofort ein Gerichtstermin für den 15. September angesetzt. Aber der Sheriff sagte, wenn ich einen Führerschein mache und ihn vor dem Gerichtstermin vorzeige, müsse ich nichts bezahlen. Wir ließen das Auto auf dem Parkplatz stehen und gingen zu Fuß nach Hause. Das war unser erstes Bußgeld in Amerika.


