Tag X: Das Vorstellungsgespräch
Aufstehen war so schwer wie noch nie. 5 Uhr morgens, Wahnsinn... Ein Ruck und ich springe aus dem Bett. Bevor mein armes Gehirn begreift, dass ich nicht vorhabe, wie alle normalen Menschen weiterzuschlafen, renne ich ins Bad.
Ich frühstücke schnell und nervös. Angst habe ich keine, aber die Anspannung lässt nicht nach. Kurz ins Internet, das Wetter: -4 Grad. Jaaa... ich ziehe mich so warm wie möglich an.
Naiv von mir) das war „Sommerkleidung“ für so einen Morgen.
Während wir mit einer Freundin zur U-Bahn gehen, pfeift der Wind durch alles durch. Keine Schals helfen, die Böen sind scharf und eisig.
Aber draußen ist es schön, der Himmel wird schon hell, die Straßenlaternen leuchten. Moskau erwacht.
Die Idee, in der U-Bahn noch Fragen zu wiederholen, verwerfe ich sofort. Nein, so vergisst man nur die Reste seines Englisch und macht sich selbst verrückt. Player in die Ohren, etwas Kämpferisches... Ah, „Comatose“ ist genau das Richtige. Und vielleicht noch Modern Talking „Last exit to Brooklyn“. Passt sehr gut ?
Der Weg zur Botschaft ist uns schon von den Besuchen bei IEC vertraut. An dem blöden Übergang (den es gar nicht gibt! Wer schon mal da war, weiß, was ich meine) bemerke ich drei Mädels, auch mit Mappen in der Hand. Definitiv für das Work and Travel USA) Wir haben uns aber doch entschieden, eine Tasche für zwei zu nehmen, 100 Rubel war es uns wert (um sie in der Tasche des Agenturautos zu lassen), dafür haben wir den Player zur Beruhigung, das Handy, um danach allen von unserer Freude (oder, Gott bewahre, dem Scheitern) zu berichten, und allerlei Kleinkram.
Am Denkmal sind schon viele Leute, sie stehen in Grüppchen, viele auch alleine. Alle treten von einem Fuß auf den anderen, jemand liest sich Merkblätter oder Beispielantworten durch, jemand versucht sich aufzumuntern: „Ich habe überhaupt keine Angst.“ Nur ist das Lachen irgendwie nervös.
Es ist schon kalt. Warme Strumpfhosen, Wollsocken und Uggs – eindeutig nicht genug. Ich kann meine Zehen kaum bewegen. Und das ist erst der Anfang...
Um 7.30 Uhr, keine Minute später... Ähm, sagen wir gegen 7.45 Uhr, kommen die Leute von IEC. Wanja klettert mit einem Megafon auf die Stufen am Denkmal. Gibt es jetzt einen Namensaufruf? Nein, erst einmal allgemeine Anweisungen. Mehrmals läuft unsere ganze Menge mit reinem Herdentrieb mal in die eine, mal in die andere Richtung. Warum, hat übrigens niemand verstanden. Irgendwer ist irgendwohin gegangen, und alle dachten, sie müssten auch mit ? schieben wir es auf die Nerven)
An uns vorbei marschierte die Agentur INTEX, am Ende ein Mädchen mit einem roten Schild. Und es sind nicht sehr viele. Und sie gehen in die entgegengesetzte Richtung)
Aber wir haben keine Zeit mehr für sie. Sie fangen an, Aufkleber mit Warteschlangennummern zu verteilen. Mist, ich dachte mir schon, dass es alphabetisch läuft. Laut den Listen, die uns geschickt wurden, war ich eigentlich 76 ? Ich wurde 86. Stolz bilde ich das Schlusslicht der laaaangen IEC-Kolonne)
Jeder wurde beim Nachnamen aufgerufen, man geht vor, bekommt eine Nummer auf die Jacke geklebt (direkt wie ein Sternchen bei den Oktoberkindern ? ), die zweite klebt man auf seine Tasche oder die Mappe mit Handy und Karten, gibt diese Sachen in das kleine Auto des Centers und trottet zum „großen und schrecklichen“ Botschaftsgebäude, ans Ende der Schlange, hinter die vorherige Nummer ? Wir hatten noch Glück, die anderen Agenturen kamen danach.
Wir sind auf der Stelle getreten und haben uns gerader aufgestellt. Zu Freunden in anderen Teilen der Schlange kann man nicht einfach so hinlaufen.
Dann gehen wir endlich vorwärts. Ziemlich munter, die Mappen an die Brust gedrückt, wie bei einer Parade ? Von der Seite lachen diejenigen, die noch warten. Ich musste selbst lachen) und das ist gut. Das nimmt ein wenig die Spannung. Obwohl, Stopp! Ich hatte recht, sobald wir am Schaljapin-Denkmal anfingen zu frieren, war keine Zeit mehr für Nervosität. Ruhig wie ein Panzer? Hauptsache, durchhalten.
Von der Seite sieht unsere Schlange aus wie eine Schlange. Jetzt stehen wir entlang des Botschaftsgebäudes, der Wind pfeift durch, die Hände frieren selbst in Handschuhen. Gut, dass ich die Mütze nicht abgegeben habe. Gelegentliche Passanten mustern unauffällig unsere „Prozession“. Ja, das sind wir, eine Menge Studenten, die in den Ferien in die Staaten wollen ?
Wir fangen an, uns untereinander zu unterhalten, wir werden hier offensichtlich lange stehen. 3 Mädchen hinter mir, sie kommen aus Wolgograd, glaube ich. Sie sind aufgeregt, besonders eine von ihnen. 5. Studienjahr, obwohl sie einen Job in Russland hat, aber jeder weiß – Risikogruppe. Die Organisatoren nennen sie scherzhaft „VIPs“ ?
Überhaupt, Respekt an die Organisatoren. Bei uns gab es bei weitem nicht so ein Durcheinander und eine Verantwortungslosigkeit wie bei anderen Agenturen. Dort haben es Leute geschafft, ohne ausgedruckte Botschafts-Merkblätter zu kommen, unsere wurden ihnen gegeben! Bei manchen sind die Koordinatoren gar nicht erst aufgetaucht. Einige von Startravel fragten nervös unsere Leute, was sie tun sollen, da ihre nirgendwo zu finden seien. Und wir wurden ständig „gerade gerückt“, Gürtel und alles, was man nicht mit reinnehmen darf, wurden eingesammelt, wir wurden instruiert. Und einfach ein bisschen beruhigt ?
Es war wirklich kalt. Wirklich kalt. Ich weiß nicht, wann die ersten 10 Leute reingekommen sind, aber um 9.10 Uhr standen wir erst gegenüber dem Ausgang.
Ah, die ersten glücklichen Gesichter ? Glückspilze mit Nachnamen auf A kommen aus den Türen) Jemand mit offensichtlicher Erleichterung, jemand lächelt mit einem Hollywood-Lächeln, jemand ist noch erstaunt, dass er es tatsächlich geschafft hat. Natürlich gibt es Fragen. Bisher scheint alles okay zu sein, die Konsulatsmitarbeiter sind gut gelaunt, die Fragen sind einfach, hauptsächlich: Wohin fahrt ihr, was werdet ihr arbeiten, wo und was studiert ihr usw.
Wir stehen ziemlich fröhlich da, machen Witze, plaudern, jeder erzählt, wie es mit dem Jobangebot aussieht und so weiter.
Die Schlange bewegt sich in großen Sprüngen. Einmal – und wir sind fast am Maschendrahtzaun, noch ein Stück – das Wachhäuschen. Er gibt uns die russischen Pässe zurück, die uns vorher alle abgenommen wurden. Danach gehen wir durch einen schmalen Durchgang an der Botschaftsmauer entlang. Die Zielgerade vor dem Eingang zum Gebäude. Hier fängt man an, nervös zu werden. Jemand in der Schlange sagte: „Der Höhepunkt der Nervosität ist direkt vor den Interviewfenstern, wenn man der Nächste ist.“ Gut möglich...
Noch ein Wachmann direkt an der Tür. Dokumente auf den Tisch, Jacke aufmachen, Hände zur Seite. Mit dem Metalldetektor geprüft, man darf rein ?
Yes! Das erste Gefühl – Wärme. Fast alle atmen erleichtert auf) wir waren doch alle durchgefroren.
Wieder eine Schlange. Ist das hier Tradition? Aus der Halle geht jeder einzeln in den nächsten Saal, dort lässt man wie am Flughafen die Oberbekleidung durch so ein „Förderband“ laufen, manche auch die Schuhe, wenn sie welche mit Metallschnallen angezogen haben. Man selbst geht durch den Metalldetektor. Der Wachmann hier ist ziemlich freundlich. In seinen Augen liegt Verständnis.
Und dann geradeaus und links, ein kleiner Saal mit Stühlen, Toiletten (gut gemacht, durchdacht, viele haben es schon bereut, überhaupt gefrühstückt zu haben). Wir stellen uns entlang der linken Wand auf, zuerst denken wir – zum Interview. Nein, erst einmal für die Fingerabdrücke. Gegen 10.10 Uhr komme ich zum Schalter. Ich gebe die Dokumente – Reisepass und DS-160, lege nacheinander 4 Finger der rechten Hand, 4 der linken, gleichzeitig beide Daumen auf. Alles, danke, viel Glück. Ihnen auch danke ?
Und dann – das Schlimmste... wir kehren in den Saal mit den Stühlen zurück, jetzt in die Schlange an der rechten Wand. Das ist schon – dorthin... und links gehen andere Agenturen zu den Fingerabdrücken. Nischni Nowgorod hat einen guten Eindruck gemacht, aber ihr Koordinator hat uns ein wenig nervös gemacht, weil er seinen Leuten sagte, sie müssten unbedingt außer dem DS-160 auch das Botschafts-Merkblatt in den Pass stecken und das DS-160 hinten unterschreiben. Wir drehen nervös unsere Dokumente in den Händen, scheint unterschrieben zu sein. Wir fragen unseren Koordinator. Nein, alles okay, nichts irgendwo reinstecken. Wie uns gesagt wurde – die restlichen Dokumente nur auf Verlangen. Stopft nichts Überflüssiges rein.
Langsam, langsam, in Sprüngen, gehen wir vorwärts. Nervös. Gegenüber der Abzweigung zu den Fenstern für die Fingerabdrücke ist eine Treppe, genauer gesagt zwei. Die erste – zu den Fenstern für Einwanderungsvisa, Adoption und für Verlobte. Die Schilder sind lustig ? oben Adoption, dann – Verlobte) Hier drücken wir uns ziemlich lange herum, aber endlich sind wir auf den Stufen unserer Treppe. Wenn man sich nicht mit der rechten Schulter an die Wand und das Geländer drückt, bekommt man kein Visum)))
Übersetzung: Lasst die Glücklichen, die schon ein Visum bekommen haben, an die frische Luft ?
Während wir stehen, sieht man Fenster Nr. 8. Ich denke, na gut, die Zielgerade. Wieder vorbei) Nach oben, nach links – ein Saal mit 5-6 Stuhlreihen, wir sitzen erst einmal hier. Und vorne sind schon die Kabinen... Sie sind halb offen, man sieht die Fenster. Studenten gehen hin, geben die obligatorischen Dokumente ab, den Rest legen sie erst einmal daneben. An jedem Fenster sind Haken auf Hüfthöhe für die Oberbekleidung. Praktisch, sonst hat man nicht die Hände frei. Man hört einen Teil der Antworten der Studenten. Scheint alles gut zu laufen, die meisten sprechen selbstbewusst. Auch wenn nicht perfekt, für jeden – 3 Minuten, manchmal 5. Und für unsere Wartereihen läuft leise auf einem großen hängenden Bildschirm etwas wie Comedy Club. Nicht schlecht, hilft beim Entspannen, zumindest teilweise. Also, Reihe 3 und 4 sind dran. Freundin, viel Glück!
Und wir warten...
Etwa 15 Minuten und unsere 2 Reihen stehen vorne in einer Schlange, das ist jetzt wirklich die Zielgerade, wir sehen fast alle Interviewer. Wir wissen schon, dass in Fenster 9 ein rothaariger Mann ist, er ist positiv, und in 11 – ein Mädchen, sie ist nett. Bei 13 hatten manche Probleme, aber da versuch mal zu verstehen, ob es an dem Mädchen liegt oder an der Person, die sie gefragt hat. Ich weiß es nicht.
Aaah... Hilfe. Fast an der Reihe. Lampenfieber ist da. Angst ist keine, das ist gut. Aber die Anspannung sollte man besser verbergen.
Alles, ich bin dran.
Ah, Fenster 9. Nun, ich war mir irgendwie fast sicher. Dass es so sein wird ?
Good morning! – ich versuche es mit einer munteren Stimme. Lächeln – be nice. Mantel an den Haken, Pass und DS-160 – ins Fenster. Den Rest daneben.
Good morning! – das Lächeln scheint wohlwollend.
Er schaut in den Computer.
How are you?
Ich möchte am liebsten herausplatzen – Was denken Sie denn?! Eine Sekunde Zögern.
Very good!
Are you Polina? – er gleicht mit dem DS-160 ab.
Yes, I am.
Where are you going in the USA?
I’m going to Savage, Maryland.
Where is city Savage?
Aaah... In Maryland – ich spucke es aus, aber was will er noch hören?
Well, but is it on the beach?
Ah, darum geht es also. Mist, ich erinnere mich absolut nicht... Nun, wie es ist.
I don’t know exactly where this city is.
Okay.
Weiter geht es schnell und schon ruhig über die Uni, wo ich studiere.
Ja, an der RUDN.
Was? Ich habe die nächste Frage nicht verstanden. Den ersten Teil des Satzes hat er direkt verschluckt? Ich frage nach.
Ah, die Fakultät. Nun ja, irgendwie Wirtschaft, aber besser? wir haben Business und Weltwirtschaft!
Ich sage vorweg, dass My major is public relations ist.
Er nickt.
Weiter ist alles leicht und einfach. Was wirst du arbeiten? – Rettungsschwimmerin. – Kannst du gut schwimmen? – Ja, ich liebe das sehr.
Er nickte. Er schreibt etwas in das DS-160. Ich weiß nicht, ob das gut ist, aber dafür ist jetzt keine Zeit. Ich lächle. Ah, er hat den Pass weggelegt! Er gibt ihn nicht zurück, also ist alles okay)))
Ja, wirklich? Er lächelt, die wichtigsten Worte: „Your visa is approved!“
Yes!!!
Danke, danke, einen schönen Tag noch, auf Wiedersehen)))
Ihnen auch)))
Von der Erleichterung, die einen überkommt, hat man das Gefühl, man würde abheben. Im Laufschritt zum Ausgang, unterwegs zu denen, die noch auf der Treppe stehen – „Viel Glück! – Danke!“
Ja, alles okay) der Koordinator lächelt, erinnert daran, das DS-160 nicht zu verlieren.
Hurra, Freiheit!!!
Ich gehe oder laufe eher nach draußen. Sonne, blauer Frühlingshimmel mit leichten Wölkchen, das Zentrum von Moskau, und vorne hinter den Absperrungen lächeln mir meine Freundin (beschreibt schon alles am Telefon ihrer Mutter) und ein Haufen Studenten zu, die vorher rausgekommen sind.
Wir fahren in die Staaten, wir haben es geschafft, hurra-hurra-hurra!!!
