Wie sich herausstellte, ist das Schreiben eines Blogs eine schrecklich schwierige Aufgabe – alles Mögliche lenkt einen ab, und der größte demotivierende Faktor ist die gute alte Faulheit, wie könnte es auch anders sein? Nun, es ergibt wenig Sinn, die anderthalbtägigen Abenteuer im Zug zu beschreiben, also komme ich direkt zu der Tatsache, dass wir als Trio aus drei Pechvögeln – äh, Mädchen – in der glorreichen Stadt E. ankamen. Wütend, übermüdet, wütend. Um drei Uhr morgens. Und bis halb neun Uhr morgens gaben wir uns dem seligen Schlaf im berüchtigten Komfort-Warteraum hin. Fünfhundert Rubel haben wir übrigens hingeblättert. Nicht gut, Freunde.
Nachdem wir die nicht weniger glorreiche E-Metro gestürmt hatten, standen wir gegen 9:30 Uhr wie Statuen da und bewachten den Eingang zu IHM. Hier sollte man übrigens, um das Mädchen-Gejammer zu vervollständigen, den oben erwähnten ungesunden Geisteszustand zu diesem Zeitpunkt erwähnen. Bei einer ziemlich hysterischen Wahrnehmung der Welt überkam mich plötzlich eine ungesunde Gleichgültigkeit, die sich darin äußerte, dass ich keine Angst mehr hatte – weder zu Hause, noch am Bahnhof, noch im Zug usw. Und so stand ich vor dem lang ersehnten Konsulat, hörte die allgemeinen niedergeschlagenen Berichte über Massenablehnungen und wurde ernsthaft heiter. Nein, eigentlich überkam mich, verzeihen Sie, ein Lachanfall von eben dieser ungesunden Art.
Die Erkenntnis, dass ein fremder Mann mit mir über das Wetter diskutieren und ein Urteil darüber fällen sollte, wie würdig ich bin, die USA zu besuchen, empörte mich zumindest und... brachte mich zum Lachen. Also, in dieser, gelinde gesagt, gehobenen Stimmung, stolperte ich ins Konsulat, durchlief die Standardprozeduren, begleitet von schweren Türen und aufgeregten Gesichtern der Bewerber, und begann voller Ehrfurcht zu warten. Freie Übersetzung: Ich – Hallo, wie geht's? Konsul – Oh, hallo, nicht schlecht, nicht schlecht, und dir? Ich – Oh, alles ist so wunderbar, was für ein herrlicher Tag, wie herrlich ich bin und mein Liedchen.
(mit aufgerissenen Augen) – Herrlicher Tag?! Es regnet in Strömen! Ich (begeistert improvisierend) – Ich liebe Regen und überhaupt ist jeder Tag herrlich.
– [unverständliches Gemurmel]. Ich – O_o Entschuldigung, was?
– Wenn du Regen so sehr liebst, warst du schon mal auf der Website soundso, wo man sich diesen Regen anhören kann? Ich (begeistert, weil ich wirklich dort war) – Ist das die Seite, wo man verschiedene Naturgeräusche hören kann, wie Wellen, Waldrauschen oder Vogelgezwitscher? Ja, ich liebe sie.
– Okay, was ist Viva Bene? Ich – Das ist der Ort, an dem ich im Bundesstaat Massachusetts in der Stadt Worcester arbeiten werde.
– Was wirst du dort machen? Ich – Meinen Sie meine Aufgaben?
– Ja. Ich – Dies und das.
– Okay, und wie hast du diesen Job gefunden? Ich – Selbst im Internet.
– Und wo warst du sonst noch im Ausland? Ich – Hier und da.
– Okay, your visa is approved. Als ich mit einem debilen Lächeln und zitternden Knien aus dem Konsulat kam, spürte ich die ganze emotionale Intensität, die ich eigentlich schon am Eingang hätte spüren sollen. Da hat es mich dann erwischt.
Fakten: Das Interview dauerte etwa eine Minute und es war ein junger Konsul. Die Erteilungsquote am 4. Mai lag nach meinen Beobachtungen bei etwa 30-40 %. Abgelehnt wurden Leute mit schlechten Sprachkenntnissen, starkem Akzent (!), monotonen Antworten und einem Gesichtsausdruck wie auf dem Weg zum Schafott. Also liegt alles in eurer Hand. Zum Beispiel: Visum und Ticket nach Amerika für den 20. Mai.
Update: Kann mir jemand mit Verstand erklären, wie man Dialoge menschlich aussehen lässt und die Kunst der Absatzbeherrschung erlernt?
