Der Zug. Der Waggon ist halb voll. Oder vielleicht halb leer, wer weiß das schon... Ich sitze da, schaue auf meine Füße in Flip-Flops, und die laute Höllenmaschine bringt mich direkt in die Hölle. Das heißt, nach Brooklyn, entschuldigung, ich habe mich vertan...
Die erhöhte Luftfeuchtigkeit auf meinem Gesicht markierte den Beginn des Herbstes, nicht nur in New York, sondern auch in meiner Seele. Ich komme gerade vom Flughafen, was soll man sagen. Wenn man an einem Flughafen war und ihn nicht mit dem Flugzeug verlassen hat, dann kann die Reise kaum angenehm sein. So wurde es auch in meiner Seele mit jeder Minute schwerer und beängstigender, als ob sich langsam ein Schatten über mein Herz legte und die Nacht hereinbrach... In meinen Händen halte ich nur ein T-Shirt – blau, Größe M – alles, was mir von dem Menschen geblieben ist, der mir am teuersten und liebsten war. Dabei war er noch vor einer halben Stunde bei mir, lächelte, und die Welt war wunderschön. Und jetzt ist er weg, einfach so... Als ob die Welt nicht mehr dieselbe wäre und ich selbst auch nicht mehr da wäre. Aber das ist alles Unsinn! Das Wichtigste sind die Hände. Die Hände – so warm, weich, stark, die mich so fest umarmt, gestreichelt, gekitzelt haben, die sich in meinen Haaren verfangen haben... sie werden nie wieder in meiner Nähe sein.
Ich habe gar nicht bemerkt, wie die Tränen in Strömen aus meinen Augen flossen, meine kleinen Ozeanstücke liefen mein Gesicht hinunter, und ich sammelte sie vorsichtig in dem geschenkten T-Shirt, wodurch es noch blauer wurde. Ich weine nicht gerne vor anderen Leuten, überhaupt nicht, aber die Tränen haben mich irgendwie nicht gefragt, was ich mag und was nicht...
New York – die inoffizielle Hauptstadt Amerikas, eine der größten Metropolen der Welt mit 8.500.000 Einwohnern. Ich weiß nicht, welche Menschen aus diesen achteinhalb Millionen damals mit mir im selben Waggon fuhren. Sie alle hatten ihre eigenen Angelegenheiten, Sorgen, Probleme... Aber in einem Moment spürte ich plötzlich, dass sie bei mir waren. Nicht nur durch Zufall in der Nähe, sondern sie waren da, wie eine große Waggon-Familie. In ihren Augen las ich Mitgefühl und den Wunsch zu helfen. Das war so berührend...
Ein kahlköpfiger Mann kam auf mich zu und fragte, ob alles in Ordnung sei und ob ich Hilfe brauche. Ein anderer Herr, der aus dem Waggon ausstieg, sagte mir zum Abschied: „Alles wird gut!“ Das war alles so ungewöhnlich für mich, fast wie ein Wunder! Neben mir saß die ganze Fahrt über ein Typ, der in seinen Taschencomputer vertieft war, anscheinend spielte er ein Spiel. Plötzlich sah er mich an, legte sein Spielzeug beiseite und begann in seinem Rucksack zu kramen. Und nach einer Minute holte er daraus... eine Bibel! Er holte sie heraus und begann, flüsternd Passagen daraus vorzulesen. Und dann sagte er: „Was auch immer in deinem Leben passiert, wie schwer es dir jetzt auch sein mag, nach einiger Zeit wirst du wieder Freude empfinden und lachen. Und dem Schicksal für die Herausforderung danken, die dir gestellt wurde.“ Er sagte das und stieg an seiner Station aus. Und ich fuhr weiter, aber jetzt war ich eine etwas andere Ich... Seitdem sind das die wichtigsten Worte in meinem Leben... Worte, die ich in der New Yorker U-Bahn von einem Menschen gehört habe, den ich nie wieder gesehen habe.

